Von Greta und Vladislav

Ausgabe 166 Apr. 17, 2019

von Nico Lindstädt


Schon Sokrates soll sich über den Verfall der Jugend aufgeregt haben. Auch wenn ihm da wohl ein Zitat in den Mund gelegt wurde, welches weder auf ihn noch auf einen seiner antiken Mitphilosophen zurückgeht, scheint es uns, als könne der Kerngedanke nicht richtiger sein: Die Jugend war für die Älteren immer schon befremdlich – ob in der Antike oder heute.

Trotzdem überrascht zeitweise die Vehemenz der Ablehnung der „Jugend“ durch eine nur geringfügig ältere Generation. Besonders deutlich ist dies im Moment bei den Friday-for-Future-Demos zu sehen, bei denen sich ein großer Teil der Aachener Studis entspannt via Jodel über die Unsinnigkeit der Demos aufregt: Der digitale Showdown zwischen den Politikverdrossenen und denen, die es noch werden könnten.

Hinzu kam ein weiterer Aufreger: Vladislav Balovatsky alias Capital Bra überflügelte mit seiner zwölften Nummer-1-Platzierung die Beatles in den deutschen Single-Charts. Ein Ereignis, zu dem sich gleich mehrere Generationen in den Kommentarspalten des Netzes streiten, wer letzten Endes die Krone der musikalischen Schöpfung miterlebt hat. Mein Vorschlag zur Versöhnung: Spotify an und sich bei Schätzen wie „Obladi-Oblada“ (Beatles), dem originalen „Cheri, Cheri Lady“ (Modern Talking) und dem „Arschficksong“ (Sido) darüber klar werden, dass jede Generation etwas zum Schämen hat.

Nico Lindstädt

26, studiert Digitale Medienkommunikation und Technik-Kommunikation Werkstofftechnik im Master, fotografiert seit seinem 5. Lebensjahr, interessiert sich für Politik, Geschichte und Kunst.