7. Mai 2019

Sicher im Sattel

Bürgerinitiative setzt sich für Verbesserung des Aachener Radverkehrs ein

Sicher im Sattel

Ganz so malerisch wie hier in Amsterdam müssen die Stellplätze noch nicht einmal aussehen. (Foto: Jace&Afsoon, via Unsplash)

Jan van den Hurk ist Teil des Kernteams von Radentscheid Aachen. Nach einem Berliner Vorbild taten er und vier weitere Mitglieder sich zusammen, um den Radentscheid auch nach Aachen zu holen. Mit dem Wechsel in seine neue Arbeitsstelle stieg er aufs Fahrrad um, für mehr Bewegung im Alltag, so der Maschinenbauer. Anfang 2017 recherchierte der gebürtige Niederrheiner mehr zum Thema sicher Rad fahren. Ein Jahr darauf folgte die Gründung des Kernteams von Radentscheid in Aachen. Seitdem hat sich die Anzahl der Mitglieder vervielfacht und die Bürgerinitiative formulierte konkrete Ziele, die innerhalb der nächsten acht Jahre umgesetzt werden sollen.

Erste Lösungsvorschläge

Eine wichtige Maßnahme sei es, separate Wege für Fahrradfahrer einzurichten, so van den Hurk. Zudem müssten geschützte Kreuzungen eingeführt werden. Dr. Armin Langweg, Koordinator für Verkehrsentwicklungsplanung bei der Stadt Aachen, hält baulich geschützte Radwege entlang von Hauptverkehrsstraßen für schwer umsetzbar, da in der Folge zahlreiche Parkplätze wegfielen. Die Stadt arbeite im Dialog mit Bürgern und Politik intensiv an „Radvorrangrouten" in Nebenstraßen, wie zum Beispiel in der Lothringer Straße.

Wie sehen die Ideen von Radentscheid konkret aus?

Eine Zielformulierung der Bürgerinitiative ist es, ein durchgängiges, engmaschiges Routennetz zwischen und innerhalb der Bezirke in Aachen zu schaffen. Kreuzungen, die als größte Gefahrenstelle gelten, sollen sicherer gestaltet werden, nach dem Vorbild der Niederlande. Dort gibt es zum Beispiel extra Ampeln für Fahrräder. Drittens fordert der Radentscheid sichere Radwege an Hauptstraßen. Außerdem sei eine Einfärbung von Radwegen sinnvoll. Über Aachens Berge lässt sich streiten, über fehlende Abstellmöglichkeiten dagegen weniger, findet van den Hurk. Daher lautet eine der Zielformulierungen, mehr Stellplätze für die Zweiräder zu bauen. Da es der Bürgerinitiative vor allem darum ginge, die Interessen der Bürger*innen umzusetzen, sei ein Online-Portal sinnvoll, in dem man Mängel aufführen könne. Schlussendlich solle die Verkehrswende konsequent und transparent gefördert werden.

Von den Furchtlosen und den Unerfahrenen

„Viele scheuen bestimmte Situationen, in die man als Radfahrerin im Straßenverkehr geraten könnte“, erklärt van den Hurk. Wenn beispielsweise ein Auto eng überholt, man von einem Bus geschnitten oder einem die Vorfahrt genommen wird, reagieren unerfahrene Fahrradfahrerinnen gestresst. „Wenn es dann zu körperlichen Reaktionen durch Erschrecken kommt, kann es auch mal brenzlig werden“, so van den Hurk. Andere Radfahrer seien hingegen eher unerschrocken und wären furchtlose Teilnehmer des Straßenverkehrs; darin sind sich van den Hurk und Langweg einig. Langweg hält in der Stadt eine duale Führung für den besten Weg: "Für geübte, unerschrockene Fahrer*innen ist zügiges Fahren auf der Fahrbahn sicherer, am besten bei Tempo 30. Langsameres Radeln könnte sicherer mit den Fußgängern zusammen ermöglicht werden und Stress wegnehmen."

Eine Bilanz

Egal ob ungeübt oder erfahren, ob man einen rasanten oder vorsichtigen Fahrstil bevorzugt, das Rad zu nehmen schont die Umwelt, es ist günstig und man kann es platzsparend parken – vorausgesetzt, es gibt Abstellmöglichkeiten. Der Stadtverkehr wird durchs Fahrrad in den Stoßzeiten entlastet, der Mensch tut beim Tritt in die Pedale ganz nebenbei etwas für seine Gesundheit und Lärm wird reduziert. Viele gute Gründe also, sich aufs Rad zu schwingen, wenn denn die Gegebenheiten stimmen, findet van den Hurk. Ab dem 11. Mai sammelt der Radentscheid Unterschriften, um die gesammelten Zielformulierungen umsetzen zu können. Langweg fasst die Pläne der Stadt wie folgt zusammen: „Die Stadt Aachen bereitet den Beschluss der Strategie Radverkehr 2030 vor, in der die weitere Fahrradförderung beschrieben wird. Da werden auch die Ziele des Radentscheides diskutiert."