Radentscheid mehrheitlich beschlossen!

Fahrrad Nov. 12, 2019

„Sicher, übersichtlich, stressarm und komfortabel“, so würde wohl kein Radfahrer, der regelmäßig in Aachen unterwegs ist, die Teilnahme am hiesigen Verkehr beschreiben. Allein 2018 verunglückten deutschlandweit 445 Fahrradfahrer tödlich. Dieses Jahr starben bereits zwei Fahrradfahrerinnen im Aachener Straßenverkehr.

Um das zu ändern, sammelte das Team des Radentscheid Aachen unter dem Motto „Aachen sattelt auf“ seit Mai dieses Jahres Unterschriften für eine bessere Fahrradinfrastruktur. Über 37.400 Aachener haben inzwischen unterschrieben, um die Aktion zu unterstützen. Am 06. November stimmte der Stadtrat nun über die Ziele des Radentscheids ab und nahm sie mit 72 von 76 Stimmen an. Lediglich die drei Mitglieder der FDP Fraktion sowie Wolfgang Palm, der als parteiloses Mitglied eine Ratsgruppe mit Markus Mohr (AFD) bildet, stimmten gegen die Umsetzung des Radentscheids. Als Gründe führte die FDP Fraktion die einseitige Bevorzugung von Fahrradfahrern und dass ohne besseren ÖPNV eine Verringerung des Autoverkehrs nicht erreicht würde, an. Mit dem Beschluss des Stadtrates bedarf es keines Bürgerentscheides mehr. Die geforderten Ziele sollen im Laufe der nächsten acht Jahre umgesetzt werden.

Die konkreten Ziele des Aachener Radentscheids hier im Überblick!

  • Ein durchgängiges und engmaschiges Radwegenetz
  • Eine sichere Gestaltung von Kreuzungen
  • Sichere Radwege an Hauptstraßen
  • Eine einheitliche und durchgängige Gestaltung von Geh- und Radwegen
  • Umfassender Ausbau von Fahrradstellplätzen
  • Mängel online erheben und zeitnah beseitigen
  • Konsequente und transparente Förderung der Verkehrswende

Laut Pressemitteilung des Radentscheids hatten sich alle Fraktionen bereits „für die dialogorientierte, sachbezogene Arbeit des Radentscheid-Teams“ bedankt. „Wir waren in den letzten Jahren an vielen Stellen nicht mutig genug, mehr umzusetzen“, wurde eingeräumt. Auch bei der Umsetzung der geforderten Ziele, die ab sofort beginnen soll, will das Team des Aachener Radentscheids die Politik und Verwaltung weiterhin begleiten und unterstützen. „Wir sind bereit, auch in der praktischen Umsetzung, zum Beispiel als Teil eines Mobilitätsbeirats oder in einem anderen Gremium konstruktiv mitzuarbeiten“, so eine offizielle Stellungnahme. Dass „von Beginn an eine Kampagne “FÜR” etwas“ durchgeführt wurde und es darum ging einen „positiven Beitrag zur Stadtgestaltung“ zu leisten, sei ein wesentlicher Grund für den Erfolg der Aktion.

Vier Menschen vom Radentscheid halten vor anderen Menschen ein goldenes Fahrrad in die Kamera
Brechen nun goldene Zeiten für Aachens Radfahrer*innen an? (Foto: Ute Haupts)

Wer einmal wissen möchte, wie ein sicherer Fahrradschutzstreifen aussieht, kann dies am kommenden Montag, dem 18.11., am Pontwall ausprobieren! Das Team des Radentscheids wird von 11:30 bis 13:30 Uhr einen geschützten Radstreifen mit einer Breite von 2,3 Metern aufbauen, der testgefahren werden darf. Für alle, die bisher erst wenig vom Radentscheid mitbekommen haben, wird es am Dienstag, dem 19.11., um 18:00 Uhr eine Info- und Diskussionsveranstaltung des Bürgerforums Aachen geben, die in der Aula des St. Leonhard Gymnasiums stattfinden wird. Die, die noch mehr zu den nächsten Schritten und zur konkreten Umsetzung wissen wollen, können sich am Do, dem 21.11., um 17:00 Uhr bei der Expertenbefragung im Mobilitätsausschuss informieren.