23. Mai 2019

Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu

Wenn Kindheitsträume Realität werden.

Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu

Rezension von Joshua Olbrich

Wer kennt sie nicht? Sie ließen sich als exorbitant teure Sammelkarten auf dem Schulhof tauschen, nachmittags als Serie auf RTL II schauen und beim großen Geschwisterteil auf dem Gameboy bestaunen. Für viele stehen Pokémon symbolisch für die Kindheit der späten 90er und der frühen 00er und bedarf für die wenigsten unter uns einer genaueren Erklärung.

Mittlerweile gibt es geschlagene 21 Animationsfilme im Pokemonuniversum. Nun wagen sich Warner Bros. und Legendary Pictures an die Realverfilmung von Pokémon. Realverfilmungen gelten normalerweise als heikle Unterfangen, sind doch die Erwartungen der Fans so groß wie divergent, bei „Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ gelingt dies aber ganz wunderbar.

Die Handlung ist kurz erläutert und gleichzeitig der größte Kritikpunkt, weil äußerst einfach gestrickt. Eines Tages erhält Tim Goodman die Nachricht, dass sein Vater unter mysteriösen Umständen verschwunden ist. Besorgt reist er in die Hauptstadt Ryme City, um dem Vorgang auf den Grund zu gehen. Recht früh trifft er dort auf das namensgebende Pikachu, welches ihn fortan tatkräftig unterstützt. So weit, so kurz, die Story gibt wirklich nicht viel her. Jeder, der einmal einen Film mit ähnlicher Plotline gesehen hat, kann nach dem ersten Viertel sagen, wer der Antagonist ist und den Plottwist vorhersagen.

Aber geschenkt, wegen der Geschichte schaut sich sowieso niemand „Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ an. Es sind natürlich die Pokémon selbst, die den Film so fantastisch machen. Selten sahen die kleinen Monster so realistisch aus. Geradezu lückenlos fügen sie sich in die reale Umgebung ein. Gerne würde man während des Filmes aufstehen und mit einem Glumanda oder Bisasam kuscheln gehen. Der Maßstab, was an Animation möglich ist, wurde für kommende Filme kräftig nach oben geschraubt.

Doch nicht allein die Pokemon machen den Film so sehenswert. Es sind die Interaktionen der menschlichen Bewohner der Stadt mit den Pokémon, die sich unfassbar natürlich anfühlen. Man vergisst stellenweise der Handlung zu folgen, während man das Treiben im Hintergrund beobachtet. Pokémon schafft es, eine glaubwürdige Welt aufzubauen, die selbst Nicht-Fans der Serie in ihren Bann schlägt. Mal regelt ein Machomei mit seinen vier Armen den Verkehr, mal schläft ein Relaxo auf dem Gehweg, wobei es die Fußgänger zu Umwegen zwingt und auf Partys lässt Krakeelo laut Dubstep aus seinen lautsprecherartigen Ohren erklingen. Einige von uns werden in ihrer Kindheit davon geträumt haben, wie es wäre, wenn ein Pokémon sie im wirklichen Leben begleiten würde.

Alles in allem kann jedem Pokémon-Fan dieser Film vorbehaltlos ans Herz gelegt werden. Auch Fans kurzweiliger Animationsfilme werden bei „Pokémon: Meisterdetektiv Pikachu“ auf ihre Kosten kommen. Liebhaber von tief greifenden Storyplots und Charakterentwicklungen sollten aber eher einen anderen Film anschauen gehen.