Per App Lebensmittel retten

Lebensmittel retten Okt. 22, 2019

Jährlich werden in Deutschland 12 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Eine Zahl, die man sich nur schwer vorstellen kann. Vielleicht hilft es, sich einen männlichen Elefanten vorzustellen, denn der alleine wiegt schon 6 Tonnen. Der Verbraucher möchte möglichst perfekt aussehendes Obst und Gemüse kaufen. Der Joghurt ist gestern abgelaufen? Besser in den Müll damit. Dabei schmeckt eine leicht krumme Möhre genauso gut und gesund ist sie auch mit Macken. Möglichkeiten, wie man der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken kann, gibt es einige. Die App Too Good To Go ist eine davon.

"Wir retten Lebensmittel", lautet das Motto der aus Dänemark stammenden App. 2015 wurde das Unternehmen Too Good To Go gegründet, ein Jahr später konnte man mit der App auch in Deutschland Lebensmittel retten. Im Unterschied zu Tafeln, die in verschiedenen deutschen Städten Lebensmittel für Bedürftige bereitstellen, kann über Too Good To Go auch bereits zubereitetes Essen verkauft werden.

Ein persönlicher Testbericht

Die App ist kostenlos für Android und iOS und ist sehr simpel: Eine Karte und Liste zeigen dem Nutzer an, welche Geschäfte, Restaurants und Hotels in der Nähe teilnehmen. Ein farbiger Punkt auf der Karte zeigt an, ob noch Überraschungsboxen vorhanden sind. In der Listenansicht sieht man die Anzahl der noch verfügbaren Boxen sowie den Wert der Box und den Preis.

Auch Aachener Betriebe sind dabei. Wie die App funktioniert, habe ich im Sommer ausprobiert und bei einem Bäcker und Konditor in Vaals eine Überraschungsbox bestellt. Bestellung und Bezahlung erfolgt dabei komplett über die App. Eine Barzahlung ist nicht möglich. Das Prinzip ist sehr einfach und man muss die Box nur noch in einem vorgegebenen Zeitrahmen abholen. An einem heißen Freitagnachmittag habe ich mich auf mein Fahrrad geschwungen und bin runter ins benachbarte Vaals gefahren. Was meine Bestellung beinhaltet, wusste ich nicht. Hätte ich gewusst, dass ich für 4,99€ statt 14,99€ einen Kuchen mit Schokoguss sowie drei große Brote bekommen würde, wäre ich wohl zu Fuß gegangen. Denn mein Einkauf passte nicht in meinen Fahrradkorb. Irgendwie habe ich es aber geschafft, nach Hause zu radeln. Wohin nun mit den vielen Broten? Zum Glück haben wir einen großen Gefrierschrank. Außerdem lohnt sich die App besonders für Wohngemeinschaften und Studentenwohnheime.

Lebensmittelverschwendung und Umweltschutz

Der Sinn hinter Too Good To Go ist, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Das ist auch eine sehr gute Sache. Allerdings war ich doch etwas über die Verpackung irritiert. Denn das Brot war in Plastik eingepackt, was natürlich nichts mit der App zu tun hat. Aber wer versucht, auf Verpackungsmüll und Plastik zu verzichten, sollte darauf achten, wie das Geschäft die Ware verpackt. Für die teilnehmenden Betriebe bietet Too Good To Go auch umweltfreundliche Verpackungen an. Eine Alternative für den Kunden sind wiederverwendbare Dosen oder andere geeignete Behältnisse. Ob der Verkäufer die jedoch befüllen darf, liegt bei den Betrieben selber.

Mein Fazit

Gerade für Studenten, die nicht so viel Geld haben, aber dennoch gesund essen wollen, ist die App ideal. Aber auch Familien mit geringem Einkommen profitieren von Too Good To Go. Wer nicht darauf angewiesen ist, Geld zu sparen, rettet dafür Lebensmittel vor der Mülltonne.

Egal, aus welchen Gründen man die App nutzt: man tut etwas Gutes für die Umwelt und erhält im Gegenzug Leckereien zu vergünstigten Preisen.

Foto: Verena Grouls

Verena Grouls

30+, studiert Sprach- und Kommunikationswissenschaft, liest bevorzugt auf Englisch, fotografiert gerne und veröffentlicht irgendwann einen Roman.