PEM stellt elektrischen 7,5 Tonnen LKW vor

Ausgabe 164 Dez. 12, 2018

Der Primotyp LiVe1 lässt sich von einem handelsüblichen 7,5 Tonner kaum unterscheiden. (Foto: BPW Bergische Achsen KG / Christian Schürmann)

von Jakob Zahler

Elektromobilität – gute Idee, aber viel zu teuer? Diesem Problem stellt sich der Lehrstuhl PEM (Production Engineering of E-Mobility Components) und präsentierte am 30. November den ersten selbst entwickelten 7,5 Tonnen LKW LiVe1. Der sogenannte „Primotyp“ ist der Vorläufer des Prototyps und stellt die Grundlage für weitere Entwicklungen dar.

In einem straffen Projektzeitraum von nur zehn Monaten entwickelten die Mitarbeiter des PEM den LiVe1. Hinter dem Kurznamen des LKWs versteckt sich der handliche Name des Forschungsprojektes: ‚Lebenszykluskostenreduktion im elektrischen Verteilerverkehr durch individuell adaptierbaren Antriebsstrang’. Mit einem Leergewicht von 2300 kg lassen sich weitere 5 Tonnen zuladen. Eine von dem Projektpartner BPW hergestellte elektrisch angetriebene Achse wurde in einem handelsüblichen Modell der N-Serie des japanischen Fahrzeugherstellers Isuzu verbaut. Das Modell, welches normalerweise von einem 190 PS starken Dieselmotor angetrieben wird, läuft nun rein elektrisch. Geräuschlos und ohne Mängel verlief die Fahrdemonstration des LiVe1 am Vorstellungstag. Vertreter der Presse wie Vertreter der Wirtschaft zeigten sich von der Dynamik des E-LKW beeindruckt. Auch ein Vertreter von Isuzu Motors Limited aus Japan war zu der Vorstellung angereist, um sich einen Eindruck über die Projektfortschritte zu verschaffen. Versorgt wird der Elektromotor des Primotyps von einer Lithium Batterie mit 150 kW Leistung. Die Kapazität der Batterie soll in kommenden Entwicklungsstufen optional auf bis zu drei Batterieblöcke mit insgesamt 200 kWh erweiterbar sein. Die Reichweite solle damit für die meisten Anwendungen, wie beispielsweise Fahrten von Verteilzentrum zu Verteilzentrum, ausreichen. Transeuropäische Strecken rein elektrisch zurückzulegen, wären aktuell nur mit Pantographen, einer Oberleitung für LKWs, realisierbar. Drei weitere 18 Tonnen LKW Modelle sollen entwickelt werden, die per Batterie, per Brennstoffzelle oder über einen Pantographen elektrisch versorgt werden.

Das Forschungsprojekt, welches in Zusammenarbeit mit Isuzu Motors Germany, Streetscooter, BPW Bergische Achsen AG und dem WZL der RWTH Aachen durchgeführt und zusätzlich vom Bundesumweltministerium gefördert wird, zielt auf eine wirtschaftlichere Produktion sowie eine höhere Flexibilität elektrischer Nutzfahrzeuge ab. Um dies zu realisieren ist ein Baukastenkonzept geplant, wodurch die Kosten gesenkt und die Modellpalette flexibel gestaltet werden soll. Hierdurch wird eine Anpassung der LKWs auf die konkreten Bedürfnisse des Kunden ermöglicht. Auch Anpassungen nach dem Kauf, wie zum Beispiel die Erweiterung der Reichweite durch eine zusätzliche Batterie, sollen durch das Baukastenkonzept möglich sein. Der LiVe1 setzt hohe Maßstäbe, die auf weitere beeindruckende Resultate hoffen lassen.

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