7. Mai 2019

Paris – Stadt der Hiebe

Franzosen sind für vieles berühmt: ihren Wein, ihren Käse, Liebe und natürlich Révolution! Und genauso, wie man sich für einen guten Brie begeistern kann, sollte man sich für ihre Demonstrationen begeistern. Franzosen sind keine „Ich bin so sauer, ich habe mir ein Schild gebastelt“-Protestler. Nein, sie sind „Gebt mir endlich was ich will oder ich zünde noch zwei Autos an“-Protestler. Très jolie!

Als mutig sollte deswegen gelten, wer im Frankreich der Gelbwestenstreiks seine steuergesparten Milliönchen um sich schmeißt. Zum Beispiel die Familien Pinault und Arnault, die jeweils 200 Millionen Euro bereitstellten, noch bevor das Kirchendach von Notre-Dam gänzlich niedergebrannt war. Welch noble Geste der Mode-Industriellen! Erst Kinder in Bangladesch ausbeuten, Steuern am Fiskus vorbei mogeln und sich dann mit Kirchendächern den Ablass kaufen. Wer für mehr soziale Gerechtigkeit kämpft, liebt sowas! Der französische Philosoph Ollivier Pourriol fasste den Unmut der Straße in einem Tweet zusammen: „Victor Hugo bedankt sich bei all den großzügigen Spendern, die bereit sind, Notre-Dame zu retten, und schlägt vor, dasselbe für Les Misérables zu tun“.

Wie auch immer sich der Zorn in den Straßen von Paris Bahn schlägt: Die letzten 200 Jahre französische Revolutionen haben gezeigt, dass wir Rheinländer uns besser vorsorglich eine gelbe Weste und eine rote Mütze besorgen sollten.