„Wichtig ist nur die Möglichkeit, über Probleme zu sprechen“

Studileben Nov. 27, 2019

Interview mit Simon Schiffers von der Nightline Aachen

von Alexander Heit

Die Nightline Aachen ist ein Zuhör- und Informationstelefon für die Studierenden der Aachener Hochschulen. Wir haben mit Simon Schiffers gesprochen, der seit 2016 in der Nightline aktiv ist und ihr als Teil des PR-Teams ein Gesicht verleiht. Warum die meisten anderen Aktiven anonym bleiben und wie ein Telefonat mit der Nightline abläuft, erfahrt ihr in unserem Interview.

Kármán: Hallo Simon! Erzähl doch mal, wie du zur Nightline gekommen bist.
Simon: Ich war auf der Suche nach einer Eigeninitiative, bei der ich mich neben meinem Studium engagieren kann. An der Nightline hat mich von Anfang an interessiert, dass man anderen unmittelbar helfen kann. Ich habe mich dann einfach beim Team gemeldet und ein Kennenlerntreffen besucht, wo ich mehr über die Nightline erfahren habe – die gibt es übrigens auch heute noch. Wenn das Interesse bestehen bleibt, kann man der Eigenini nach einigen Treffen beitreten.“

Was ist das Ziel der Nightline?
Grundsätzlich ist die Nightline ein Zuhör- und Informationstelefon von Studierenden für Studierende, wobei der Schwerpunkt auf dem Zuhören liegt. Gerade im Studium kommt es vor, dass man überfordert ist, etwa durch den Umzug in eine neue Stadt. Manchmal ist man auch gestresst vom Unialltag, hat Probleme mit Freunden oder leidet unter Einsamkeit. In solchen Fällen hilft es meist schon, wenn man über seine Probleme reden kann. Nicht immer ist aber eine gute Freundin oder ein guter Freund zur Stelle, um das zu tun. Genau dafür gibt es die Nightline: Wir hören zu und sind da. Daneben sind wir aber auch ein Informationstelefon für Studierende und helfen bei allgemeinen Fragen rund ums Studium.

Ihr beschreibt euer Konzept als aktives Zuhören.
Ja, wir halten uns in den Telefonaten so weit wie möglich zurück. Fragen gibt es nur, wenn etwas missverständlich ist. Wir beurteilen die Probleme nicht, über die wir sprechen, fragen nicht nach, ob sie relevant oder besonders schwerwiegend sind. Wie gesagt: Meist hilft es, sich ein Thema von der Seele zu reden. Manchmal kommt man aber auch von selbst auf neue Lösungsansätze, wenn man über Probleme spricht und währenddessen darüber nachdenkt.

Wie anonym ist die Nightline?
Sowohl die Ehrenamtlichen bei uns als auch die Anruferinnen und Anrufer bleiben immer anonym – deshalb findet man auf unserem Internetauftritt auch keine Seite, auf dem das Team vorgestellt wird. Wir im PR-Team sind die einzige Ausnahme, telefonieren dafür aber nicht. Selbst im Fall, dass sich zwei Gesprächspartner mal über den Weg laufen sollten, weiß also keiner der beiden, wer die oder der andere ist.

Gibt es Grenzen, über was mit euch gesprochen werden kann?
Die liegen bei jedem Mitglied etwas anders und sind natürlich auch davon abhängig, was sie oder er selbst gerade erlebt. Deshalb besetzen wir unsere Schichten prinzipiell mit zwei Mitgliedern, falls jemand nicht über ein bestimmtes Thema sprechen möchte. Wichtig ist: Wir sind geschulte Studierende, keine Psychologinnen und Psychologen. Wenn sich im Laufe des Gesprächs herausstellt, dass professionelle Hilfe ratsam sein könnte, vermitteln wir daher an Expertinnen und Experten.

Ein Mädchen sitzt über einem Schreibtisch voller Lernmaterialien und einem Laptop. Sie hält sich den Kopf.
Stress in der Uni, Liebeskummer, Einsamkeit: Die Nightline hört zu. Das hilft vielen 

Wie läuft ein Gespräch ab?
Man ruft einfach an. In der Regel sind unsere Schichten gemischt besetzt, das heißt, eine Anruferin oder ein Anrufer kann entscheiden, ob sie oder er mit einer Frau oder einem Mann sprechen möchte. Die Länge der Gespräche ist ganz unterschiedlich und reicht von wenigen Minuten bis zu zwei Stunden. In dieser Zeit sind wir voll für die Anruferin oder den Anrufer da.

Wer ruft bei euch an?
Hauptsächlich sind das Studierende, weil wir hier am besten helfen können. Es kommt aber auch vor, dass sich Azubis bei uns melden oder Menschen, die nichts mit den Aachener Hochschulen zu tun haben. Auch in diesen Fällen sind wir dann natürlich da.

Was würdest du jemandem mitgeben, der ein Problem hat und überlegt, ob er bei euch anrufen soll oder nicht?
Im Zweifelsfall sollte man einfach bei uns anrufen und sich keine Sorgen machen, ob ein Thema passt oder nicht. Wir be- oder verurteilen niemanden, der bei uns anruft – wichtig ist uns nur, die Möglichkeit zu bieten, über Probleme zu sprechen.

Simon, vielen Dank für das Interview!

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