Mehr wissenschaftliche Zeitungen für die RWTH

Ausgabe 165 Jan. 21, 2019

Mehr Lesestoff: Studierende können bald auf alle Zeitschriften des Verlags Wiley zugreifen. (Foto: Pexels.com)

Der Wissenschaftsverlag Wiley stellt Angehörigen deutscher Universitäten und wissenschaftlicher Institutionen in Kürze alle seit 1997 im Verlag erschienenen Zeitschriften zur Verfügung. Einem Zusammenschluss aus Büchereien, Universitäten und Instituten, genannt DEAL, gelang diese Einigung. Wiley gehört neben den Verlagen Springer und Elsevier zu den Big Playern im Bereich wissenschaftlicher Publikationen. Guido Herrmann vom Wiley-Verlag nannte die Einigung einen "wichtigen Schritt für mehr Open Access und Open Science".

Leichterer Zugriff auf Publikationen

Für RWTH-Studierende bedeutet das konkret, dass ab Ende Januar alle Wiley-Zeitschriften im Uni-Netz oder über einen entsprechenden VPN-Zugang frei abrufbar sind. Die Zahl der verfügbaren Zeitschriften nimmt dank des abgeschlossenen Deals enorm zu: von bisher etwa 250 Zeitschriften auf dann knapp 1500. Bücher sind vom Deal ausgeschlossen und müssen wie bislang auch von den Bibliotheken angeschafft werden.

Ein weiterer Teil des Deals umfasst die leichtere Open Access-Veröffentlichung. Deutsche Forscherinnen und Forscher können also in Zukunft beim Einreichen eines Papers beim Verlag angeben, dass ihr Paper weltweit und für jedermann frei einsehbar werden soll. Die Praktik von Verlagen, nahezu alle Inhalte hinter Bezahlschranken und nicht für die Öffentlichkeit einsehbar zu verstecken, ist schon länger umstritten. Kritiker argumentieren, dass große Teile der Forschung an Universitäten durch die öffentliche Hand finanziert werden und die Forschungsergebnisse entsprechend frei einsehbar sein sollten.

Noch keine Einigung mit Elsevier und Springer

Zurzeit befindet sich DEAL auch in Verhandlungen mit den beiden anderen großen Wissenschaftsverlagen Elsevier und Springer. Während bei Springer die Zeichen gut stehen, dass man sich auch hier einigen kann, scheinen die hinter verschlossenen Türen stattfindenden Verhandlungen mit Elsevier nicht sehr erfolgversprechend. Sollte Springer aber auf einen ähnlichen Deal wie Wiley eingehen, kann es gut sein, dass Elsevier in Zugzwang gerät und seine eigene Verhandlungsposition geschwächt hat.

RWTH-Studierende können währenddessen schon jetzt auf ein großes Angebot von Springer zugreifen. Bereits seit 2018 gibt es eine Regelung mit dem Verlag, dass alle dessen Zeitschriften online eingesehen werden können. Diese Regelung wird auch 2019 weiterhin fortgesetzt. Dafür muss man sich allerdings im RWTH-Netz befinden – entweder über eduroam oder mithilfe eines VPN-Zugriffs. Anleitungen, wie man einen solchen VPN-Zugriff für den eigenen Laptop einrichten kann, bietet das IT-Center.


Was bedeutet Open Access?

Open Access heißt vereinfacht, dass wissenschaftliche Literatur weltweit von jedem abgerufen und gelesen werden kann. Studierende müssen sich also zum Beispiel nicht mehr über Eduroam einloggen, sondern können diese Artikel von überall aus lesen. Dieser Ansatz stellt damit einen krassen Gegensatz zu dem bisherigen, sehr geschlossenen Modell dar. Denn die großen Wissenschaftsverlage, allen voran Springer, Wiley und Elsevier, konnten lange Zeit sehr viel Geld dafür fordern, dass man die bei ihnen erscheinenden Zeitungen lesen darf.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen oft in einer der großen Fachzeitschriften veröffentlichen, um sich einen Namen zu machen. Dabei müssen sie meistens unterschreiben, dass eine Zweitverwertung ausgeschlossen ist – sie dürfen ihre Arbeit also kein zweites Mal veröffentlichen. Das hatte oft zur Folge, dass Universitäten viel Geld bezahlen mussten, um Zugriff auf die Forschungsergebnisse zu bekommen, die erst durch die Universitäten selbst zustande gekommen sind.

Martin Schmitz

Studiert TK-Informatik und ist seit 2013 bei der Kármán. Schreibt gern über Serien, Spiele, Bücher.