"Like the Sea – We rise!"

Ausgabe 166 Apr. 18, 2019

Etliche junge Menschen versammelten sich wie hier in Berlin, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. (Foto: Jörg Farys / Fridays for Future)

von Judith Peschges


Der erste internationale „Fridays for future“-Streik am 15. März 2019 machte deutlich, dass international ein großes Interesse am Umweltschutz besteht. Hunderttausende junge Menschen gingen an diesem Tag in mehr als 100 Ländern statt zur Schule auf die Straße, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Die Bewegung erfuhr jedoch nicht nur Zuspruch, sondern auch viel Kritik. Welche Wirkung hatte die weltweite Protestwelle in Deutschland und lässt sich eine Prognose für ihre Auswirkungen stellen?

„Der Klimawandel ist längst eine reale Bedrohung für unsere Zukunft. Wir werden die Leidtragenden des Klimawandels sein. […] Doch unsere Politiker*innen unternehmen nichts, um die Klimakrise abzuwenden. Die Treibhausgas-Emissionen steigen seit Jahren, noch immer werden Kohle, Öl und Gas abgebaut. Deswegen gehen wir freitags weder in die Schule noch in die Uni.“ So steht es auf der Internetseite der Protestbewegung „Fridays for future“. „Wir“, das sind keine Partei und keine Organisation, sondern eine Protestwelle, die langsam aber stetig wuchs. Greta Thunberg machte es vor. Seit Monaten geht die 16-jährige Schwedin freitags nicht zur Schule, um für einen Wandel in der Klimapolitik zu protestieren. Andere junge Menschen taten es ihr gleich und die Bewegung für den Umweltschutz gipfelte Mitte März im ersten internationalen „Fridays for future“-Streik.

Was genau fordern die Demonstranten?

Die Schülerinnen und Schüler erinnern daran, dass seit 2015 das Pariser Klimaabkommen gilt. Sie fordern den Ausstieg aus dem Kohleabbau, eine Verkehrswende mit Bus und Bahn und das Ende fossiler Brennstoffe im Rahmen einer Energiewende. Die Bundesregierung solle in erneuerbare Energien investieren und den öffentlichen Personennahverkehr ausbauen. Auf der „Fridays for future“-Homepage findet man zudem die Forderung, das Wahlalter auf 16 zu senken, um die Partizipationsmöglichkeiten junger Menschen zu erweitern.

Reaktionen von Politikern

Junge Menschen gehen auf die Straße, interessieren sich für Umweltschutz und dafür, diesen auch umzusetzen. Eigentlich ein Grund zur Freude, sollte man meinen. Doch die Reaktionen auf die demonstrierenden Schülerinnen und Schüler sind gemischt. Es werden Wortmeldungen laut, in denen der Schulstreik an Freitagen stark kritisiert wird. Die Kinder sollten lieber zur Schule gehen und fürs Leben lernen. Als Antwort geben viele junge Menschen: Wozu für eine Zukunft in einer Welt lernen, die nicht geschützt, sondern vielmehr ausgebeutet wird? Die Grünen-Bundesvorsitzende Annalena Baerbock fordert, dass die Bundesregierung die Bewegung „Fridays for Future“ ernst nimmt: Sie hofft anstatt „verständnisvoller Worte“ darauf, dass die Regierung ein Klimaschutzgesetz auf den Weg bringe „und keinen Stuhlkreis mit den Ministern veranstalte“, wie sie der Deutschen-Presse-Agentur mitteilte. Vom Parteichef der FDP, Christian Lindner, bekommen die Demonstranten den Rat, „das den Profis zu überlassen“.

Kritik und Zustimmung

Lindner und andere Kritiker der Fridays for Future Bewegung stellen wiederholt die Frage, wieso die Protestaktionen an einem Wochentag stattfinden. Dass die Schülerinnen und Schüler jede Woche einen Tag in der Schule fehlen, stelle einen klaren Regelbruch dar. Schwänzen für den Klimaschutz? Das sei nicht gerechtfertigt. Schließlich dürften auch Arbeitnehmer nicht während der Arbeitszeit demonstrieren, so der FDP-Chef. Hessens Kultusminister Alexander Lorz vertritt ähnliche Ansichten: Durch den Unterrichtsentfall sei Schule nicht mehr organisierbar. Angela Merkel hingegen lobt den Einsatz der Demonstrierenden. Sie hält die wöchentlichen Klimaschutzproteste für eine sehr gute Initiative. Fest steht: Die weltweit demonstrierenden jungen Menschen haben Aufmerksamkeit bekommen und schon eine wichtige Sache bewirkt: Es wird wieder vermehrt über Umweltschutz geredet.

Willst du mitmachen?

Willst du auch für die Kármán schreiben? Schreib eine kurze Mail an mitmachen@karman-ac.de und stell dich gerne vor!