I'm still standing

Aachen Nov. 02, 2019

Ludwigsallee, Ponttor, Adalbertsteinweg, das Aachener Kreuz sowieso: Aachen scheint eine einzige Baustelle zu sein. Staus ohne Ende sind die Folge. Wie ist es dazu gekommen?

Wer in den vergangenen Monaten mit dem Auto durch Aachen fahren musste, wäre oft vermutlich zu Fuß schneller gewesen. Im gesamten Stadtgebiet wurden Straßen aufgerissen, die Alternativrouten waren oft mehr schlecht als recht ausgeschildert. Und informiert wurden Anwohner nur mit etwas Glück. Für Prof. Markus Oeser und Dr. Dirk Kemper vom Institut für Straßenwesen ist klar: die Stadt hätte Baustellen besser planen müssen. Gerade mit der gleichzeitigen Sperrung von Adalbertsteinweg und Ludwigsallee war eine wichtige Hauptverkehrsachse in der Stadt gleich zwei mal durchbrochen – nach Meinung der beiden Dozenten hätten diese beiden Baustellen nicht gleichzeitig geöffnet werden sollen.

Foto einer Baustelle in Aachen
Auch in den kommenden Jahren wird in Aachen eine Baustelle der anderen Folgen. (Foto: Jakob Zahler)

Laut Oeser bräuchte die Stadt dafür einen Koordinator, der im Auge behält, ob eine weitere Baustelle geöffnet werden sollte oder nicht. Das gebe es allerdings nicht in Aachen: “Deshalb fehlt auch die ‘Vogelperspektive’ auf das Verkehrsnetz”, so Oeser. Auf Autobahnen gebe es dagegen eine solche zentrale Koordination seit einigen Jahren, was auch gut funktioniere. Mit speziell entwickelten Tools kann zum Beispiel automatisch sichergestellt werden, dass genügend Ausweichrouten vorhanden sind, bevor eine Baustelle auf der Autobahn eingerichtet wird.

Für Innenstädte gibt es solche Tools allerdings nicht – oft habe die Verwaltung nicht einmal einen wirklichen Überblick über wichtige Verkehrsachsen, so Prof. Oeser. Deshalb kann auch nicht automatisch Alarm geschlagen werden, wenn beispielsweise eine Hauptverkehrsachse durch mehrere verteilte Baustellen vollständig lahm gelegt werden würde.

Die Stadt Aachen erwidert, dass es eine zentrale Koordination gebe, wie sie von den beiden Dozenten gefordert wird: “Die Stadt lädt alle Netzbetreiber einmal im Quartal zu einer großen Besprechung ein. Dabei werden die aktuellen und auch die bevorstehenden Baustellen im Stadtgebiet vorgestellt und aufeinander abgestimmt”, erklärt ein Sprecher. Die geplanten Baustellen seien auch nicht das größte Problem: “Die Infrastruktur ist an vielen Stellen in Aachen stark sanierungsbedürftig.” Dadurch müssten “relativ viele Notbaustellen” eingerichtet werden – und die seien nunmal nicht planbar.

Die Situation der vergangenen Monate nimmt die Stadt derweil nicht als Chaos wahr. Und die Verwaltung behält Baustellen im Auge, um eventuell schnell nachzubessern, wenn es zum Beispiel zu mehr Staus kommt als ursprünglich angenommen. “Meist ist es so, dass sich an den Baustellen die Verkehrssituation wenige Tage nach dem Beginn entspannt, weil sich die Verkehrsteilnehmer andere Wege suchen.” Auch gebe es dieses Jahr nicht besonders viele Baustellen: “Schon seit Jahren folgt eine Baustelle der nächsten”, so der Sprecher. “Das wird auch so weitergehen.”

Infos zu Baustellen stellt die Stadt auf www.aachen.de/baustellen zur Verfügung. Dort kann man zum Beispiel auch sehen, wie lange an einem bestimmten Abschnitt gebaut werden soll.

Martin Schmitz

Studiert TK-Informatik und ist seit 2013 bei der Kármán. Schreibt gern über Serien, Spiele, Bücher.