10. April 2019

Ein guter DEAL?

von Denise Pascale Fries


Der Wissenschaftsverlag Wiley einigt sich mit einem Zusammenschluss aus mehr als 700 wissenschaftlichen Einrichtungen Deutschlands auf einen bundesweiten Lizenzvertrag, der den freien Zugriff auf alle vom Verlag publizierten akademischen Zeitschriften regelt. Für Studierende, die gerade Abschluss- oder Hausarbeiten schreiben, eine erfreuliche Nachricht: Der Zugriff auf Zehntausende von Wiley veröffentlichen wissenschaftlichen Zeitschriftenartikel ist ab jetzt kostenlos, und das ohne auf nach dem Guerilla-Open-Access-Prinzip handelnde Schattenbibliotheken zurückzugreifen. Deren Nutzung ist nicht nur aus Studi-Sicht durchaus nachvollziehbar – denn wer hat schon das nötige Kleingeld, um für eine Publikation teilweise dreistellige Beträge zu bezahlen?

Dafür müssen allerdings publizierende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tief in die Tasche greifen: Sie zahlen künftig knapp 3000 Euro pro veröffentlichtem Artikel. Eine stattliche Summe! Der Vertrag ist für die deutsche Wissenschaft dennoch erfreulich – weil es bis dato noch teurer war. Immerhin zahlen nach dem neuen Modell nur noch die Publizierenden. Diese dürfen nach dem neuen Modell anders als früher nun auch selbst darüber entscheiden, ob ihre Artikel öffentlich zugänglich sein sollen oder nicht. Ein kleiner Schritt Richtung Open Access ist also getan – ganz ohne Guerilla.

Dennoch kann man sich fragen, warum Hochschulen sich so lange eigene, häufig öffentlich geförderte, Forschungsergebnisse zurückkaufen mussten – und bei Publikationen der Verlagsriesen Elsevier und Springer ja auch weiterhin müssen. Bei Letzteren ist immerhin eine Einigung in Sicht, während sich Elsevier bisher nicht bereit zeigt, einen Deal einzugehen. Dass von Verlagsseite aus kein gesteigertes Interesse an einem vergleichbaren Vertrag besteht, ist nicht weiter verwunderlich, immerhin kassieren sie durch das Abo-System derzeit doppelt ab.

Ein Wissenschaftsbetrieb ganz ohne Verlage ist dennoch schwer denkbar, unter anderem, weil sie mit der Organisation der Peer-Review-Prozesse erheblich zur Haltung des Qualitätsstandards wissenschaftlicher Publikationen beitragen. Inhaltlich für diese Peer Reviews verantwortlich sind wiederum – na klar – die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die für diesen Dienst übrigens nicht bezahlt werden.

Allein die Publikationen der Verlage stehen dank des Peer-Review-Prozesses häufig schon für eine gewisse Qualität. Eine Veröffentlichung in einem der renommierten wissenschaftlichen Journals ist in den meisten Disziplinen von hoher Bedeutung, der Zugriff auf dort veröffentlichte wissenschaftliche Erkenntnisse für die eigene Arbeit unverzichtbar – und ein Boykott der Verlage deshalb für einen Großteil der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler undenkbar.

Transformationsvereinbarungen wie die mit Wiley mögen also auf den ersten Blick keine erheblichen Veränderungen bringen, sind aber für den Weg weg vom Abo-System hin zu Open Access unverzichtbar.