Climate Justice – Now!

Aachen Juni 25, 2019

Erste länderübergreifende Fridays for Future Demo in Aachen

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ Seit fast einem Jahr gehen immer mehr junge, aber auch zunehmend ältere Leute für den Klimaschutz auf die Straße. Am vergangenen Freitag waren die Demonstrierenden des Fridays for Future lauter denn je.

Aus dem freitäglichen Schulstreik Greta Thunbergs für eine bessere Klimapolitik ist seit letztem Sommer eine weltweite Bewegung entstanden. Am Freitag kamen 40.000 Protestierende aus 16 Ländern in Aachen zusammen, um sich zu einer starken Stimme gegen die aktuelle Klimapolitik zu vereinigen. Die Veranstalter hatten ursprünglich mit 20.000 Teilnehmern gerechnet.

Gegen Mittag trafen sich zehntausende junge und auch einige ältere Demonstranten am Hauptbahnhof, am Westpark, am C.A.R.L. und in Vaals, um von diesen vier Startpunkten aus gemeinsam in Richtung Tivoli durch die Stadt zu ziehen. Unter lauten Parolen und Gesängen marschierten die Züge durch die Stadt und vereinigten sich auf ihrem Weg zum Tivoli zu einem großen Protestzug. Dort begann gegen 14 Uhr ein buntes Programm aus Kundgebungen, Reden und Musik. Für eine großartige Stimmung sorgte direkt zu Beginn ein Konzert der Hip-Hop/Reggae-Band Culcha Candela. „Es ist uns peinlich, dass die ältere Generation sagt ‚Geht zur Schule‘. Lasst euch eure Zukunft nicht zerstören!“, kommentiert die Band. Auch der Kabarettist Bodo Wartke, die Band Moop Mama und die Gewinnerin des Eurovision Song Contest 2019 Ruslana aus der Ukraine sowie viele weitere unterstützten die Demonstration mit motivierenden Worten und ihrer Musik.

„Hopp, hopp, Kohlestop“

Die zentrale Forderung der Fridays for Future Bewegung ist die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens, wie beispielsweise die deutliche Reduzierung von CO2-Emissionen und die Begrenzung der Klimaerwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten. Um dies zu erreichen, fordern sie, genau wie der Weltklimarat, den Ausstieg aus der Braunkohle bis spätestens 2030 und bereits 2019 die Abschaltung eines Viertels der Kohlekraft. Die deutsche Regierung sieht bislang einen Kohleausstieg bis 2038 vor, was den Zielen des Pariser Abkommens entgegensteht.

Aachen ist als Standort für diesen ersten länderübergreifenden Klimastreik geradezu prädestiniert. Zum einen ist die Lage am Dreiländereck ideal für eine europaweite Veranstaltung, die unter dem Motto „Climate justice without borders – United for a future“ stattfindet. Auf der anderen Seite hat das Thema der Umweltdemo in der Nähe zum Rheinischen Braunkohlerevier, das laut einer Studie des Öko-Instituts die größte CO2-Quelle Europas ist, auch noch einen starken regionalen Bezug. Aus diesem Grund hat sich Fridays for Future mit der Bewegung Ende Gelände solidarisiert, die am Samstag am Tagebau in Garzweiler gegen den Kohleabbau protestierten. Die Polizei sprach zuvor die Warnung an die Schüler aus, sie sollen sich nicht durch gewaltbereite Gruppen instrumentalisieren lassen. Dennoch schlossen sich auch einige Teilnehmer von Fridays for Future der Demonstration von Ende Gelände in Garzweiler an, die größtenteils friedlich blieb.

„We are unstoppable, another world is possible!“

Von der Stadt sowie auch von der Polizei wurde die Demonstration am Freitag für die Friedlichkeit und die Sauberkeit gelobt. Mittlerweile dürften auch die Demonstranten aus entfernteren Ländern, von denen viele im Parkhaus am Tivoli übernachtet haben, wieder in ihrer Heimat angekommen sein. Nach der länderübergreifenden Demo in Aachen ist aber noch lange nicht Schluss! Obwohl die Fridays for Future Proteste von vielen Politikern noch nicht ernst genug genommen werden, sind die Demonstranten optimistisch, dass sie etwas erreichen können. Die Klimastreiks werden weitergehen, bis sich etwas verändert und das Klimaproblem angemessen behandelt wird. In Aachen wird jeden ersten und dritten Freitag im Monat demonstriert. Startpunkt ist jeweils um zehn Uhr am Elisenbrunnen.