12. Dezember 2018

Altbewährtes trifft Uraufgeführtes

Die Bläserphilharmonie Aachen feiert ihr fünfjähriges Bestehen

Altbewährtes trifft Uraufgeführtes

Die Bläserphilharmonie Aachen sorgte wieder für einen musikalisch aufregenden Abend. (Foto: Bläserphilharmonie Aachen)

von Lara Kleyker

Neben Weihnachtsmarkt, Printen und Glühwein hat sich auch die Bläserphilharmonie Aachen mit ihren Winterkonzerten als feste Größe der Vorweihnachtszeit etabliert und lud am 7. und 9. Dezember erneut dazu ein, Kunst und Kultur auf akustischer Ebene zu begegnen. Unter der Leitung des Dirigenten Tobias Haußig präsentierte das ca. 80-köpfige Blasorchester eine einprägsame Mischung aus traditionellen und futuristischen Klängen.

Mit dem Abschluss der 10. Arbeitsphase fällt auch das fünfjährige Jubiläum der Bläserphilharmonie zusammen, die ihrer Linie mit einer harmonischen Synthese aus klassischen und innovativen Stücken treu bleibt. Bereits die ersten Töne des Abends haben die Kombination von musikalischen Hinweisen auf die großen klassischen Komponisten und zeitgenössischen Variationen bekannter Themen verinnerlicht. Mit „Challenge“ des belgischen Komponisten Pascal Devroye eröffnet das junge Aachener Orchester den zweistündigen Konzertabend. Auf ausdrucksvolle Trompeten-, Horn- und Posaunenklänge zum Auftakt folgt ein sich langsam steigerndes, filigraneres Thema mit deutlichen Wagner-Reminiszenzen für das geübte Ohr. An dieser musikalischen Zitationstechnik zeigt sich die Verschmelzung von Neuem und Altem gleich am Anfang, sodass der Zuhörer sich frühzeitig auf das Spiel mit dem Altbewährten einlassen kann, das der Abend verspricht.

Sci-Fi trifft Symphonie

Das darauf folgende Stück, „Mothership“ vom US-Amerikaner Mason Bates, schlägt eine andere Richtung ein. Mit seinen elektronischen Einflüssen, der Inkorporation von Laptop und Lautsprechern neben klassischen symphonischen Elementen, entwirft das Stück die Vision eines Mutterschiffes, an das vier verschiedene Solisten der Reihe nach 'andocken' und die Komposition für bestimmte Zeit mit ihren eigenen Sounds bereichern. Mit etwas Fantasie liegen auch die Verfolgungsjagden der USS Enterprise nicht weit entfernt von dem Klanggebilde, das den ein oder anderen Zuhörer aufgeregt auf dem Sitz herumrutschen lässt. Besonders Fagott und Euphonium tragen ihren Teil dazu bei, Sensoren- und Sonargeräusche, unterstützt von der Elektronik, zu simulieren. Becken und Bass tun ihr übriges, um das Stück durch ein anhaltendes Vibrieren im ganze Saal ausklingen zu lassen, bis der enthusiastische Applaus die Begeisterung des Publikums bezeugt.

Saxophon-Solo und Uraufführung

Jazzigere Klänge erfüllen die Aula bei der Darbietung von André Waigneins „Rhapsodie für Altsaxophon“, interpretiert durch den Solisten Christian Segemehl. In drei Sätzen präsentiert er unter vollem Einsatz die Facettenweite des Saxophons, welches er augenzwinkernd als „das Instrument der Instrumente“ bezeichnet. Eine schnelle, an New Yorker Jazzclubs erinnernde Bonus-Bluesline gibt es obendrein dazu.

Der Rückgriff auf das Altbekannte erfolgt durch Aaron Coplands „Fanfare for the Common Man“, die 1942 anlässliche des Eintritts der USA in den Zweiten Weltkrieg geschrieben wurde. Heute oft bei Sportveranstaltungen und in Filmen zu hören, bringt es Anklänge an die Amerikanische Klassik in den Saal, bevor es auf die Uraufführung des Abends zugeht.

Fesselndes Finale

Im Auftrag des Deutschen Musikrats Anfang 2018 komponiert, wird Marco Pütz' „Schattengänge“, das am 07.12. seine Uraufführung erlebte, das Pflichtstück beim Deutschen Orchesterwettbewerb 2020 sein. Seine geschickt eingewobenen Beethoven-Bezüge, die den 2. Satz der 7ten Symphonie des Meisters aufgreift, schlagen den Bogen zur Tradition. Die Doppelbedeutung des Titels, die sich einerseits auf das Stehen im Schatten des großen Virtuosen und andererseits auf die schemenhafte Präsenz von Beethoven in der Komposition bezieh, steht hier für sich. Pütz erschafft eine stimmige Synthese von Altem und Neuen, aus vorgegebenen Motiven und freien Kompositionen, die Beethoven anlässlich seines 250. Geburtstages 2020 angemessen würdigt. Auch das Publikum zeigt sich überzeugt und quittiert das Konzert im Anschluss an Alfred Reeds „Armenische Tänze“ und eine ausschweifende Zugabe mit schallendem Applaus.